Konventionen
Reinhard Irmer
r.irmer at skba.de
Mon Mar 22 10:50:06 CET 2004
> Michael Heydekamp wrote:
Reinhard Irmer <reinhard.irmer at t-online.de> wrote on 19.03.04:
>
> Hallo Michael,
>
> Martin Wodrich <mw-news at freexp.de> schrieb:
> [...]
>
> Wer bestimmt denn bei den RFC-Verfassern, was Sinn oder Unsinn ist?
>
> Keiner. Es gibt neben den RFCs noch die mindestens so wichtige
"best
> current practice", die sich im wesentlichen an der Vernunft und dem
> gesunden Menschenverstand orientiert. Das hat nie eine Mehrheit
oder
> eine einzelne Person beschlossen, sondern sich einfach als sinnvoll
> durchgesetzt.
>
Vernunft und gesunder Menschenverstand....davon gibts aber leider
immer weniger ;-)
>
> Deshalb macht man manche Dinge nicht, obwohl sie in keinem RFC
> ausdruecklich verboten bzw. sogar explizit erlaubt sind.
>
Das wäre der Freibrief für die jeweils angenehme Interpretation, was
in diesem Zusammenhang "Vernunft und gesunder Menschenverstand" ist.
>
> Du kannst z.B.
> absolut RFC2822-konforme Adressen mit Kommentaren usw. bauen, bei
deren
> Verwendung Du von den meisten zum Teufel gejagt wuerdest, weil die
> meisten Programme Probleme damit bekaemen [...]
>
Erst wird die Möglichkeit geboten, obwohl das Ergebnis abstrus ist,
und dann beweist die Praxis, daß es damit nur Schwierigkeiten gibt.
Warum schmeißt man dann so eine Möglichkeit aus diesen RFCs nicht
wieder raus?
[...]
> Mit der Folge das es kaum eine Software gibt die alle revanten RFCs
vollstaendig umsetzen.
>
> Das ist dann natuerlich die logische Folge daraus, wenn
Konventionen
> nicht so sind, dass ein "sich-daran-halten" einfach zu gestalten
ist.
>
> Es ist vor allem eine kaum ueberschaubare Menge an Regeln, die sich
in
> Teilen auch widersprechen, und bis heute flammt z.B. immer wieder
die
> Diskussion darueber auf, inwieweit die fuer Mail geltenden Regeln
auch
> fuer News gueltig sind (oder sein sollten).
>
> Ausserdem entwickelt sich die Realitaet oft schneller als die RFCs.
Was
> aber kein Freibrief dafuer ist, gegen bereits bestehende, klar
> definierte und allgemein akzeptierte Regeln massiv zu verstossen.
>
Wenn ich Dich richtig verstehe, dann kann ich "allgemein akzeptierte
Regeln" nach best-practice-Manier nachvollziehen, jedoch "klar
definiert" bezieht sich m.E. nur auf Sachverhalte, die so eindeutig
sind, dann sie keine Interpretation zulassen, und das dürften wohl
nicht allzuviele sein. [...]
> aber wuerden sie so verfasst sein, dass sie als eindeutiges
Regelwerk
> zu verstehen waeren, dann gaebe es auch keine
> "Interpretationsmoeglichkeiten".
>
> Man ist bei den juengeren RFCs (z.B. 2822) dazu uebergegangen, die
ABNF-
> Notation als einzig verbindliche Aussagen anzusehen (falls das bei
dem
> behandelten Thema moeglich ist) und die Prosa drumherum nur noch
als
> erlaeuternden Text. Da gibt's dann in der Tat kaum noch
> Interpretationsmoeglichkeiten.
>
Das ist m.E. auch das einzig sinnvolle. Prosa ;-) ist was für
Lyriker.
>
> Aeltere Versionen (822 und Vorgaenger) waren erheblich
umfangreicher,
> weil auch die Regeln selbst - obwohl auch dort ABNF verwendet wird -
zu
> einem viel groesseren Umfang in Prosa gehalten waren.
>
> Verstaendlicher sind natuerlich letztere, eindeutiger erstere.
>
Ich denke, daß hier "Eindeutigkeit" zielführender ist, als Prosa.
> FreeXP insbesondere der neue UUZ versucht sich vorbildlich an die
> RFCs zu halten.
>
> will heissen: die Entwickler interpretieren nicht lange herum,
> sondern halten sich einfach an die dortigen Formulierungen?
>
> Das waere im Prinzip meine favorisierte Vorgehensweise, die aber
nicht
> immer funktioniert und auch nicht immer zu den gewuenschten
Ergebnissen
> fuehrt, wie ich in einigen Diskussionen in d.c.s.n lernen musste.
>
Klar, wenn dort "Lyriker" am Werk sind. ;-)
hmm......jetzt waren wir aber ganz schön OT.
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